Großrazzia gegen mutmaßlichen Abrechnungsbetrug bei Intensivpflege
Exklusiv: Sie warben bei ihren Patienten mit Vertrauen und Fürsorge – jetzt geht es um mutmaßlich elf Millionen Euro Schaden, Luxuskarossen, Schmuck und Millionenvermögen

Mehr als 200 Einsatzkräfte, Durchsuchungen in zahlreichen Städten, Luxusautos von Lamborghini bis Maybach und Vermögenswerte in Millionenhöhe: Mit einer großangelegten Razzia sind Ermittler am Donnerstag gegen mutmaßlichen Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen vorgegangen.
Im Mittelpunkt stehen 13 Beschuldigte und der Verdacht, dass Leistungen für die ambulante Intensivpflege in Millionenhöhe abgerechnet wurden, obwohl sie gar nicht oder nicht vollständig erbracht worden sein sollen. Bei einer Durchsuchung in Düsseldorf machten die Einsatzkräfte dann eine Entdeckung, bei der es plötzlich nicht mehr nur um Zahlen ging: In einer Wohnung trafen sie auf ein pflegebedürftiges Kind in einem sehr schlechten Gesundheitszustand.
Die Einsatzkräfte reagierten sofort und alarmierten den Rettungsdienst. Das Kind wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort stationär aufgenommen. Auch das Jugendamt und der Kinderschutzbund wurden über den Fall informiert. Es ist ein besonders bedrückender Moment innerhalb eines Ermittlungsverfahrens, in dem es um viel Geld geht – und gleichzeitig um einen Bereich, in dem schwer pflegebedürftige Menschen auf eine zuverlässige und fachgerechte Versorgung angewiesen sind.
Elf Millionen Euro möglicher Schaden
Die Dimension des Verdachts ist erheblich: Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll ein Gesamtschaden von rund elf Millionen Euro entstanden sein. Bereits seit Dezember 2025 ermittelt eine gemeinsame Ermittlungsgruppe unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Wuppertal gegen insgesamt 13 Beschuldigte im Alter zwischen 20 und 54 Jahren.
Ausgangspunkt waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden anonyme Anzeigen. Es folgten umfangreiche Ermittlungen. Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass gemeinschaftlich und gewerbsmäßig Leistungen für die ambulante Intensivpflege gegenüber Krankenkassen abgerechnet worden sein könnten, obwohl diese tatsächlich gar nicht oder zumindest nicht vollständig erbracht worden sein sollen.
Doch damit nicht genug: Ein Teil der Leistungen soll außerdem von Personal erbracht worden sein, das nach dem Verdacht der Ermittler nicht über die notwendige Qualifikation verfügte. Damit wären auch diese Leistungen nicht in der angegebenen Form abrechnungsfähig gewesen.
Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs im Gesundheitswesen. Hinzu kommen Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche- und Steuerdelikte sowie wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt.
„Uns ist es wichtig, dass wir Ihr Vertrauen gewinnen“
Zitat aus der Internetpräsenz
Ein Blick auf die Internetpräsenz eines Unternehmens, das im Zusammenhang mit den Ermittlungen steht, zeigt unterdessen, wie groß der Kontrast zwischen der Außendarstellung des Pflegedienstes und den derzeitigen Vorwürfen der Ermittlungsbehörden ist.
Auf seiner weiterhin erreichbaren Internetseite präsentiert sich der Anbieter als Ansprechpartner für Menschen, die auf intensive und teilweise rund um die Uhr notwendige Betreuung angewiesen sind.
Firmenwagen von Fiat – Privat der Maybach, AMG und Lamborghini
Auch das Team und der Arbeitsalltag werden auf der Internetseite präsentiert. Auf dort veröffentlichten Aufnahmen sind nach dem äußeren Erscheinungsbild Firmenfahrzeuge der Marke Fiat zu sehen. Ganz andere Fahrzeugmarken tauchten am Donnerstag im Zuge der Ermittlungen auf.
Bei der großangelegten Aktion wurden unter anderem hochwertige Fahrzeuge der Marken Maybach, Mercedes-AMG und Lamborghini arrestiert. Die Fahrzeuge gehören zu Vermögenswerten in Millionenhöhe, auf die die Behörden im Rahmen des Verfahrens zugriffen. Ob und in welchem Umfang diese Luxusfahrzeuge mit mutmaßlichen Erträgen aus den untersuchten Straftaten finanziert wurden, müssen die weiteren Ermittlungen klären.
